Spuk auf der Hiltenburg

Vor Zeiten lebte auf der Hiltenburg eine Schöne – ihr Name ist längst vergessen – der Stolz ihres Vaters, der sich nicht genug tun konnte, ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Von jeder Reise brachte er ihr Geschenke, kostbare Ringe, Armspangen, Halsketten, Löwenfiguren aus Elfenbein, Spiegel, kurz alles, was ihr Herz begehrte und hegte im stillen Herzkämmerlein den Wunsch, sie einmal auf dem Thron zu sehen und sich in ihrem Glanze zu sonnen. Älter geworden kam bei dem Mädchen zur Lust des Schmuckes noch die Lust des Lebens und die Begier, alles zu kosten und zu genießen, was das Leben zu bieten hatte. Manch ehrlicher Freier zog achselzuckend wieder ab, nachdem er gesehen hatte, wes Geistes Kind die Gerühmte war. Nicht weit von der Hiltenburg, auf dem Drackenstein, lebte ein Junker, etwas älter als die Hiltenburgerin. Der hätte sie gerne zur Gemahlin gehabt, wurde aber abgewiesen und konnte nur zusehen, wie sich die Schöne mit anderen vergnügte, von denen er einige als rechte Lotterbuben kannte. Immer, wenn ihr Vater auf Reisen war, konnte er mit eigenen Augen beobachten, dass in der Nacht ein Licht, bei Tag ein flatterndes Band im Fenster irgendeinen Liebhaber rief. Teils aus ehrlicher Zuneigung zu den Helfensteinern, teils aus Eifersucht und verschmähter Liebe entschloss sich der Junker, den Vater über das Treiben seiner Tochter aufmerksam zu machen. Und weil der es nicht glauben wollte, schlug er ihm vor, eine Reise vorzutäuschen, auf die Zeichen zu warten und dann die Sünder zu überraschen. Der betrogene Vater stellte seine ungeratene Tochter wohl zur Rede. Allein sein Schmerz war so groß, dass er langsam dahinsichte und vor Gram und Schande vorzeitig starb. Noch auf dem Totenbett verwünschte er seine Tochter. Statt aber in sich zu gehen, führte diese ihr Leben weiter wie bisher. Darauf war der Junker von Drackenstein mit einem Mal verschwunden und nie mehr gesehen, kurz bevor es auch mit den Helfensteinern und der Zerstörung der Burg durch Herzog Ulrich von Württemberg ein schlimmes Ende nahm. Seitdem spukt es auf der Hiltenburg. Das Burgfräulein ging um, wie die Leute erzählten, und dies auch noch, als die Burg in Trümmer gesunken war. Einmal wurden Kinder aus dem Dorf, die am Schlossberg Beeren sammelten, von dem Geist überrascht. Das Burgfräulein winkte ihnen zu, dass sie zu ihr kommen möchten. Aber die Kinder flüchteten laut schreiend ins Dorf hinunter, verfolgt von dem Burgfräulein und einem wilden Löwen. Ihre Eltern, die den Berg daraufhin Stück für Stück absuchten, fanden nichts mehr.

Steffen

Ich bin 1992 geboren. Gegründet hab ich Underground-Secrets™ 2012. Selbst heute macht mir die Arbeit an meinem Projekt noch sehr viel Spaß! Hobbiemässig betreibe ich Geocaching, Programmiere gerne und lieb gute Musik ;)

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